Verbraucherrechte - falsch verstanden

14.08.2013 von Boris Springer

Es hat lange, viel zu lange gedauert, bis Privatkunden – unterstützt durch einschlägig bekannte Organisationen – erkannten, dass sie nach einem Geschäft auch Rechte hatten. Dabei ist es richtig, dass Verbraucher die Möglichkeit haben, sich bei vermeintlich fehlerhafter Ware an den Verkäufer oder Hersteller wenden zu können, genauso, wie sie Gewährleistungsansprüche nach mangelhaft erbrachten Leistungen haben.

Hierzu bedarf es allerdings einer offiziellen Rechnung, wie das kürzlich ergangene Urteil des Bundesgerichtshofes zeigt, wonach bei Schwarzarbeit ausdrücklich keine Gewährleistungsansprüche bestehen.

Nun leben wir im Deutschland des Jahres 2013, in dem die eigenen Rechte überstrapaziert werden. Allen Bemühungen zum Trotz sind (leider viel zu) viele Menschen der Auffassung, dass sie besonders viel dürfen. Sie nutzen den Service über Gebühr aus, der ihnen geboten wird und nehmen in Kauf, dass andere dafür bezahlen.

Als erstes Beispiel sei ein Ergebnis der sehr großzügigen Kulanzregelung der Discounter genannt. Traditionell kommt im Frühjahr die neue Generation der mobilen Navigationsgeräte auf den Markt. Eine Kundin erzählte ihrer Freundin vor der Kasse, dass sie ihr ein Jahr altes Gerät zurückgeben und sich im Austausch das neueste Modell mitnehmen wolle. Sie wisse, dass die Kassiererinnen dazu angehalten seien und schließlich gebe es keine günstigere Variante, an ein neues Gerät zu kommen. Und siehe da, es funktionierte!

Online-Händler machen mit ausufernden Verbraucherrechten ebenfalls negative Erfahrungen. Die „Masche“, sich teure Kleidung zu bestellen, diese zum gewünschten Anlass zu tragen und dann zurückzuschicken, ist fast schon ein Klassiker. Gleiches wird nun sogar schon mit ganzen Essgruppen praktiziert. Bestellen, feiern und zurückschicken. Wen wundert es da noch, dass ein großer Online-Schuhversand Gerüchten zufolge Rücklaufquoten von bis zu 70 Prozent haben soll. Immerhin wird es ab dem nächsten Jahr nicht mehr in jedem Fall die Möglichkeit zur Rücksendung auf Kosten der Händler geben.

Diese gut zur deutschen Mentalität passende Haltung des Ausnutzens von grundsätzlich positiven Möglichkeiten zeigt die tief verwurzelte Egozentrik, die von vielen Menschen gelebt wird. Bitter ist dabei, dass Menschen mit diesen Machenschaften eher als Vorbilder dienen als jene, die sich kooperativ, altruistisch und wertschätzend verhalten.

Und dass – auch mittels dieser Kolumne – wieder einmal öffentlich ein Finger in die Wunde gelegt werden muss, damit der eine oder andere Verbraucher nachdenkt, bevor er aus eigenem Vorteilsdenken die sinnvollen und schützenswerten Verbraucherrechte überspannt.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Lesen Sie nächste Woche: Gleiches Recht für alle

Bildquelle: rudolf ortner / pixelio.de
www.pixelio.de

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