Der Preis des Wachstums

12.06.2013 von Boris Springer

Unser (Welt-)Wirtschaftssystem stößt an seine Grenzen. Das sportliche Höher-schneller-weiter-Motto wird zwar noch eingehalten, die dabei erzielten Fortschritte werden jedoch immer kleiner. Zudem muss ein immer größerer Aufwand betrieben werden, um die gesteckten oder zumindest die erforderlichen Ziele zu erreichen.

Das wirtschaftliche Überleben hängt sowohl für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaften vom stetigen Wachstum ab. Es soll „uns allen“ morgen immer besser gehen als heute, was auf Dauer nicht funktionieren kann. Seit einigen Jahren ist in vielen Bereichen unschwer zu erkennen, dass das nur funktioniert, wenn einige dafür einen Preis zahlen, dass sich das Räderwerk der Wirtschaft zumindest mehr schlecht als recht weiterdreht.

Angefangen im Kleinen wird die Verschuldung der deutschen Privathaushalte sehenden Auges hingenommen, denn sie trägt maßgeblich zum Wirtschaftswachstum bei. Auch Kommunen, Länder und der Bund öffnen zur Konjunkturbelebung und Arbeitsplatz-Sicherung die Geldsäcke – allen Sparbeteuerungen zum Trotz. Wo das hinführt zeigen die stetig steigenden Zahlen an Privat-Insolvenzen bis hin zur Zahlungsunfähigkeit von wirtschaftlich schwachen Staaten.

Dabei ist es wie an der Börse: Das Geld ist nach einem Kurssturz nicht „weg“, tatsächlich befindet es sich bei einem anderen. Die Ausgaben, die zur Verschuldung geführt haben, weil sie entweder für Umsatz ausgegeben oder egoistisch ver(sch)wendet wurden, führen zum gleichen Ergebnis. Auch diese Gelder sind nicht weg, gleichwohl fehlen sie an wichtiger Stelle.

Und den Preis dieses Wachstums zahlen dann meist Unschuldige: Ob es der Handwerker ist, der von einem insolventen Auftraggeber sitzengelassen wird oder der Arbeitslose, der entlassen wurde, weil private oder öffentliche Arbeitgeber ihn nicht mehr bezahlen können. Wobei es soweit gar nicht zu kommen braucht. Denn der mit dem zwanghaften Wirtschaftswachstum verbundene Werteverlust lässt sich schon in früheren Stadien erkennen. Der Mensch zählt immer weniger, es wird den Mitarbeitern physisch wie psychisch immer mehr aufgebürdet – angefangen beim Leistungsdruck in der Schule.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Lesen Sie nächste Woche: Strukturierte Optimisten leben am längsten

Bildquelle: Wilhelmine Wulff / pixelio.de

 

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