Sind wir größenwahnsinnig? – Teil 2 von 2

13.08.2014 von Boris Springer

Meinhard Miegel hat es in seinem Buch „Hybris“ auf den Punkt gebracht: Größenwahn und grenzenlose Selbstüberschätzung sind Zeichen der Zeit und haben etablierte Wertesysteme zerstört. Wer mit dieser Feststellung nur andere anprangert, zeigt dabei seinen eigenen Realitätsverlust.

Es scheint eine natürliche Haltung des Individuums Mensch zu sein, es selber immer besser haben zu wollen. Sie scheint tief im Gehirn verankert zu sein und ist deshalb so schwer zu ändern. Während sämtliche Tierarten in ihrem Verhalten darauf programmiert sind, ihr Umfeld nicht auszubeuten und damit auch ihr eigenes Überleben zu sichern, lässt sich das beim Menschen nicht erkennen.

Genau diesen zerstörerischen Mechanismus zu durchbrechen und idealerweise umzukehren, ist eine fast unlösbare Aufgabe. Denn das beim heutigen Menschen tief verwurzelte, egoistische Bestreben, es immer besser haben zu wollen, steht dem entgegen. Wer ist denn bereit, abzugeben, um nachfolgende Generationen zu sichern? Viel zu wenige.

Denken wir über größere Organisationen, wie Staaten oder Großunternehmen nach, so verfallen viele in Resignation. „Denen da oben“ kann man als Einzelnen sowieso nicht vorschreiben, höre ich immer wieder. Mir macht Hoffnung, dass an vielen Stellen bereits ein Umdenken begonnen hat, zudem ist es jedem von uns freigestellt, sich dort persönlich zu engagieren und einzubringen.

Vor allem hat jede(r) von uns die Möglichkeit, selber vorausschauend und ethisch korrekt zu handeln. Selbst wenn es nicht immer leicht ist, so ist jeder Schritt in die richtige Richtung wichtig. Wer muss immer noch mehr verdienen, während andere – vielleicht sogar im gleichen Unternehmen – immer noch unter Mindestlohn-Niveau arbeiten? Wer muss die billigen Schnäppchen kaufen, ohne zu fragen, unter welchen Bedingungen diese produziert wurden? Wer engagiert sich finanziell oder ehrenamtlich um jene zu unterstützen, die es schlechter haben als wir?

Welcher Pensionär oder gut situierte deutsche Rentner ist bereit, von seinen Einkünften das an andere (nicht an die eigenen Enkelkinder!) abzugeben, was er nicht benötigt? Welcher Pensionär trägt dazu bei, das objektiv ungerechte System von Renten und Pensionen zu verändern? Oder: wer aus der „Generation der Erben“, die das von ihren Eltern unter großem körperlichen Einsatz aufgebaute Vermögen geschenkt bekommen, ist mit einer drastischen Erhöhung der Erbschaftssteuer einverstanden, wie es auch Miegel fordert? Viele von ihnen haben es gar nicht mehr nötig zu arbeiten, sondern brauchen nur die materiellen Werte zu „verleben“.

Tatsächlich könn(t)en wir etwas ändern. Auch viele kleine Schritte bewegen Großes. Was hindert uns daran? Ist es tatsächlich ein egoistischer Höher-Schneller-Weiter-Trieb oder ist es auch ein bisschen die Angst vor dem Verlust eines sozialen Status', wenn nicht unbedingt erforderliches materielles Gut zugunsten von Ethik aufgegeben wird? Ich denke, es ist genau das Gegenteil: andere glücklich zu machen ist sehr befriedigend.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

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Bild: Unser blauer Planet
Bildquelle: Liane / pixelio.de
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