Gaffer? Nein danke.

01.04.2015 von Boris Springer

Ein Charakteristikum des Internets ist die Möglichkeit, Informationen zeitnah publizieren und schnell verbreiten zu können. Dabei gilt die ungeschriebene Regel: je spektakulärer die Nachricht desto schneller erfolgen Weitergaben. Wobei das für viele sowohl als Empfänger als auch als sendender Multiplikator gilt. Sie wollen nichts verpassen, um sich qualitativ und zeitlich auf einem Niveau einer allseits bekannten Zeitung weiterzu*bild*en.

Mit etwas An- und Abstand stellt sich die Frage, welche Motive Menschen haben, die Unglücke fotografieren. Dass solche Informationen dann noch zwanghaft im Internet veröffentlicht werden, schlägt dem Fass den Boden aus. Schon ein mit eingeschaltetem Blaulicht und geöffneten Türen vor einem Hauseingang stehender Notarztwagen wird fotografiert und das Bild mit der neugierigen Frage „Was ist denn da passiert?“ in lokalen Facebook-Gruppen verbreitet. Sofern auf solchen Aufnahmen keine Personen eindeutig zu identifizieren sind, scheint das nicht rechtswidrig zu sein, wobei es schon bedenklich stimmt, dass die Moderatoren derartige Beiträge tolerieren.

Die Kölner Polizei sieht sich nun gezwungen, gegen Gaffer auf der Autobahn vorzugehen. Kennzeichen von Pkw, die betont langsam an einer Unfallstelle vorbeifahren und deren Fahrer fotografieren oder gar filmen, werden notiert und der Vorgang wird mit einer groben Personenbeschreibung des Fahrers zur Anzeige gebracht.

Warum muss es zu solchen Maßnahmen kommen? Welchen sinnvollen Nutzen hat ein Foto oder ein Video von einer Unglücksstelle? Wie viel Sensationsgier steckt in diesen Menschen? Was würden sie sagen, wenn sie nach einem Unfall von wildfremden Menschen fotografiert oder gefilmt würden? Für jeden Unfallbeteiligten ist das Geschehene Strafe genug. Da braucht es nicht noch Gaffer!

Es ist Zeit zum Umdenken, bevor es wieder weitere Gesetze gibt, die unser Handeln vorschreiben bzw. sanktionieren. Fotos von Unglücken sollten geächtet werden, es darf keine Plattformen für deren Veröffentlichung geben. Zudem empfiehlt sich den Gaffern eine Verhaltensänderung. Es ist wirklich einfach, jegliche Verkehrsbehinderung und auch die Belästigung anderer zu vermeiden. Wer durch Hinweise oder eigene Anschauung einen Schadenfall bemerkt und nicht daran beteiligt ist, schaut zunächst, ob Hilfe zu leisten ist und schenkt ansonsten nur noch seiner Fahrbahn und ggf. wichtigen Randbereichen seine Aufmerksamkeit. Zudem ist es leicht, sich anzugewöhnen, grundsätzlich nicht(!) zu einer bereits abgesicherten Unfallstelle hinzuschauen, sondern seine Konzentration dem fließenden Verkehr zu widmen.

Ich wünsche allen Lesern gute und sichere Fahrt!

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Lesen Sie nächste Woche: Hoffentlich wird’s bald rot

Bild: Achtung Blaulicht
Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de
www.pixelio.de

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