Wertschätzende Kommunikaion in Sozialen Medien

15.04.2015 von Boris Springer

Auch wenn es den Jüngeren unter uns unglaublich erscheint, so gab es vor nicht allzu langer Zeit noch keine Sozialen Medien, neudeutsch social media. Es galten nachvollziehbare Höflichkeitsregeln, in deren Rahmen vereinbarte Anredeformen galten. Sie wurden durch gruppenspezifische Sonderregelungen ergänzt, nach denen man sich z.B. unter Benutzung des Vornamens siezte oder auch grundsätzlich duzte. Dazu kamen noch individuelle Anredeformen zwischen wenigen Personen.

Das Gesagte gilt im social media-Zeitalter nach wie vor, wurde jedoch um drei grundlegende Besonderheiten bereichert. Erstens sind die Nutzer mit völlig anderen, ihnen zumeist nicht persönlich bekannten Personen verbunden und haben die Möglichkeit zu einem Meinungsaustausch, der in dieser Form vorher nicht stattgefunden hat. Zweitens hat – besonders seit intensiver Facebook-Nutzung – die Unsitte Einzug gehalten, Pseudonyme zu verwenden, die nicht auf den tatsächlichen Namen im realen Leben schließen lassen. Das widerspricht nicht nur den Nutzungsbedingungen der meisten Netzwerke, sondern ist auch höchst suspekt. Wer würde im realen Leben mit Menschen kommunizieren, die sich hinter einem Pseudonym verstecken? Drittens hat das Fehlen der tatsächlichen persönlichen Bekanntschaft zu einem lockereren Umgang geführt. Dieser zeigt sich nicht nur durch schnelleres Duzen, sondern auch durch viel frühere und heftigere verbale Attacken, als das im realen Leben der Fall wäre.

Die negativen Folgen lassen sich an den zunehmenden öffentlichen Denunzierungen von z.B. Händlern und Dienstleistern, Ärzten und Lehrern ablesen (s. a. Werte-Kolumne vom 25.02.15). Dabei wäre es – den Willen dazu vorausgesetzt – einfach, zu einem wertschätzenden Miteinander zu kommen. Keiner bricht sich die sprichwörtliche Zacke aus der Krone, wenn höfliche Anredeformen und freundliche Formulierungen verwendet werden, Kritik zunächst bilateral besprochen wird und zudem jede(r) vor einer Stellungnahme das Hirn einschaltet. Denn nicht jeder Beitrag ist sinnvoll und nützlich, viele füttern nur den Troll.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Lesen Sie nächste Woche: Provisionen? Ja bitte!

Bild: Kommunikation
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