Lass den Quatsch!

04.05.2016 von Boris Springer

Werbung wirkt. Auch Zigarettenwerbung wirkt. Sie erleichtert sowohl den Einstieg ins Rauchen als auch den dauerhaften Konsum, zumal sie besonders Kinder und Jugendliche beeinflusst. Seit 1975 die Zigarettenwerbung in Radio und Fernsehen verboten wurde, hat es weitere Einschränkungen gegeben, die besonders in den letzten zehn Jahren zu einem erfreulich deutlichen Rückgang jugendlicher Raucher geführt hat (gemäß Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sank der Anteil der 12- bis 17-jährigen Raucher von 2005 bis 2015 von ca. 20 auf 7,8 Prozent).

Nun könnte (Konjunktiv!) man fragen, warum der traditionelle, seit Jahrtausenden gepflegte Nikotinkonsum in Deutschland nicht längst untersagt wurde. Schließlich gab es doch für andere Gifte relativ schnell Verbote nach Bekanntwerden ihrer Gefährdung. Die Antwort ist mindestens zweischichtig, denn es geht sowohl um gesellschaftliche Akzeptanz als auch um Geld. Viel Geld. Der erste Aspekt ist vergleichbar mit den Fahrtauglichkeitstests für ältere Autofahrer: weder dort noch beim Rauchen will es sich der Gesetzgeber mit dem Volk verderben und lässt es gewähren, aller Vernunft zum Trotz. Das ist vor allem vor dem Hintergrund sonstiger Entscheidungen erstaunlich (genannt seien nur Euro- oder die anstehende TTIP-Einführung), die gegen eine Mehrheit der Bevölkerung durchgesetzt wurden bzw. werden.

Der wirtschaftliche Aspekt leuchtet schon eher ein. Denn drei Vorteile des Rauchens sind nicht zu leugnen: Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und gesparte Renten / Pensionen durch Rauchertote. Das Karlsruher Institut für Technologie kommt selbst bei Hinzurechnung der höheren Krankheitskosten auf eine Ersparnis von Sozialleistungen in Höhe von insgesamt 36 Mrd. Euro – ohne Berücksichtigung von Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen.

Unberücksichtigt blieben bei den Untersuchungen vor allem die individuellen Schicksale, mit denen Erkrankte und ihre Familien zum Ergebnis beitragen. Zudem bleiben die durch Passivrauchen belästigten Zeitgenossen (Menschen wie Tiere) genauso außen vor wie Folgekosten in Form von z.B. Brandschäden durch Glimmstängel, Straßenreinigungsarbeiten etc.

Rauchen hat keinen Nutzen. Die persönliche Gewohnheit oder gar Sucht lässt Raucher heute eher zur Zigarette greifen als die angebliche gesellschaftliche Notwendigkeit. Denn Rauchen ist nicht mehr „chic“. Viele haben das bereits erkannt und diese unsinnige Geldverbrennung aufgegeben. Den anderen, ob sie anfangen wollen oder schon rauchen, sei empfohlen: Lass den Quatsch!

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Bild: dampf ablassen
Bildquelle: dagmar zechel / pixelio.de
www.pixelio.de

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