Der Zensor lauert überall

01.06.2016 von Boris Springer

Ja, ich bin der Überzeugung, dass die Amerikaner 1969 auf dem Mond gelandet sind und auch, dass der echte Paul McCartney weiterhin auftritt. Nun gut, Zweifel habe ich schon, ob George W. Bush tatsächlich nicht (mit) Schuld war an „9/11“ (zutrauen würde ich es ihm). Vieles werden wir nie erfahren, und das ist auch gut so. Ein Beleg dafür, dass nicht alles bekannt werden soll, ist die berühmt gewordene Bemerkung von Innenminister Thomas de Maizière anlässlich des im November 2015 abgesagten Fußball-Länderspiels. Danach halte er bewusst Informationen zurück, weil Teile seiner Antwort die Bevölkerung verunsichern würden.

Es ist nachvollziehbar und meines Erachtens richtig, dass bestimmte Gegebenheiten unter Verschluss bleiben, auch wenn das zu Spekulationen führt und Verschwörungstheorien anheizt. Schwierig zu beantworten ist dabei die Frage nach der Grenze: Welche Informationen gebe ich heraus, welche bleiben unter Verschluss?

Neben der Geheimhaltung gibt es auch das offensichtliche Phänomen der Zensur. Das, was Entscheidern nicht passt, wird dabei aus dem Verkehr gezogen oder gefälscht wiedergegeben. Oder es werden anderslautende Informationen entgegengestellt, die manipuliert oder gleich völlig neu erfunden wurden. Diese Phänomene gibt es hierzulande – vermittelt durch die gelenkten Medien – bei allen drei mächtigen Institutionen: der Politik, den Religionsgemeinschaften sowie der Wirtschaft. In allen drei Bereichen geht es vorrangig um Macht und um Geld.

Politiker haben unser parlamentarisches System so aufgebaut, dass – besonders gegen Ende einer Legislaturperiode – viel dafür getan wird, Einfluss zu gewinnen und an der Macht zu bleiben bzw. dort hin zu kommen. Inhalte scheinen oft zweitrangig. Die Krönung des Ganzen ist, dass nur die Abgeordneten selber diesen Zustand beenden könnten. Den Religionsgemeinschaften geht es ebenfalls um Geld und Macht. Ersteres verstehen sie reichlich zu mehren, auch mittels opulenten Einkünften aus säkularen Quellen. An der Macht halten sie sich mit der bei Menschen verbreiteten Angst vor dem Jenseits, die sie schon Kleinkindern einimpfen und dann laufend weiter pflegen. Unternehmen schließlich haben vor allem wirtschaftliche Gründe für Geheimhaltung, Fälschung und Zensur. In unserem vorherrschenden Wirtschaftssystem sind ihre Begründung meist Umsatz zu machen mit möglichst viel Gewinn und das Totschlagargument der Arbeitsplatzerhaltung. Dafür lässt man schon mal Fünfe gerade sein und übersieht beispielsweise Vorschriften zum Schutz der Umwelt.

Nun ist unsere Gesellschaft komplex und stark vernetzt. Wer zahlt, bestimmt die Musik und wer wirtschaftlich abhängig ist, bestimmt die Regeln. Das kann dann auch dazu führen, dass wirtschaftlich Abhängige eigenmotiviert oder auch per Dekret Beiträge Anderer verfälschen oder gar nicht erst veröffentlichen. Ein Autor, mit dem man sich darüber nicht austauscht, muss von (gelenkter?) Zensur ausgehen.

Bleiben Sie wachsam und fragen Sie sich, warum bestimmte Geschehnisse genau so ablaufen, wie Sie es beobachtet haben und ob bestimmte Informationen tatsächlich wahr und unbeeinflusst dargestellt wurden. Und fragen Sie sich, warum bestimmte Medien Informationen zurückhalten, die andere veröffentlichen. Es könnte der (gelenkte?) Versuch sein, sie zu beeinflussen.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Bild: Warnschild: Vorsicht!
Bildquelle: Thomas Weiss / pixelio.de
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