Irgendwann ist es zu spät

10.08.2016 von Boris Springer

Es lässt sich kaum bestreiten, dass wir uns in einer schnelllebigen Zeit befinden. Hektik treibt uns durch den morgendlichen Berufsverkehr, die tägliche Arbeitsbelastung ist gestiegen und nachdem wir uns durch den abendlichen Stau nach Hause gequält haben, erwarten uns Hobbys, Sport, wahlweise Fernsehen oder Internet sowie anderer „Zeitvertreib“. Dabei haben wir gar keine Zeit, die es zu vertreiben gilt.

Denn selbst wenn wir es in unserer täglichen Routine nicht bemerken, so schleicht sich die Zeit davon; nicht nur wir altern, sondern auch unser Umfeld. Eltern wissen das, denn sie sehen ihre Kinder groß werden und stellen häufig erst bei deren Auszug aus ihrem Hotel Mama fest, dass die vergangenen zwei Jahrzehnte doch sehr schön waren und viel zu schnell vergangen sind.

Gleiches gilt auch, wenn wir die „Alten“ betrachten. Von unseren Eltern und deren Generation haben wir viel gelernt, wir haben viel von ihrem Wissen aufgesogen und dadurch profitiert, oft ohne dass wir es bemerkt hätten. Aufgefallen ist uns höchstens vermeintlich Negatives wie ihre antiquierte Sichtweise, ihre konservative Geisteshaltung und vielleicht manchmal auch eine vermeintliche Langsamkeit im Denken und Handeln. Dabei haben wir stets ignoriert, dass diese Annahme alleine unserer Subjektivität geschuldet war und dass wir in späteren Jahren von Jüngeren genauso gesehen wurden bzw. werden.

Wenn wir das Glück haben, unsere Eltern beim Altern begleiten zu können, stellen wir fest, dass sie immer häufiger unserer Hilfe bedürfen. Die zunächst nur kleinen Gefälligkeiten, um die sie uns – hoffentlich – bitten, wachsen zu größeren Hilfen heran. Nach und nach oder aufgrund von Krankheiten oder Unfällen sind unsere betagten Vorfahren dann plötzlich auf uns angewiesen. Wir stellen fest, dass viel von dieser Unterstützung dankbar angenommen wird und ärgern uns manchmal, wenn dem vermeintlich nicht so ist. In jedem Fall ist es dann an uns, die individuelle Sichtweise und die nachlassenden körperlichen und geistigen Fähigkeiten angemessen wertschätzend zu berücksichtigen.

Sukzessive schleicht sich nun bei allen Beteiligten die Erkenntnis ein, dass das kein Dauerzustand sein wird. Sie wissen, das Leben ist endlich und es wird über kurz oder lang Zeit, voneinander für immer Abschied zu nehmen.

Nach dem Besuch von Freund Hein ist plötzlich alles anders. Es gibt kein Zurück. Verpasstes kann nicht nachgeholt werden und das Sprichwort „Es ist nie zu spät“ hat seine Gültigkeit verloren. Nun können wir plötzlich nicht mehr um Rat fragen, können nicht mehr den großen Erfahrungsschatz nutzen und können dem Verstorbenen auch nicht mehr unsere Wertschätzung, Zuneigung und Dankbarkeit entgegenbringen. Dafür ist es dann tatsächlich zu spät. Nutzen wir also die Gelegenheit, das alles gegenüber den Menschen zu zeigen, die das wert sind und bei denen wir es noch können.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Bild: Bänke im Park
Bildquelle: Gischott / pixelio.de
www.pixelio.de

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