Es geschah im Jahre 2016

06.09.2016 von Boris Springer

Agnes Gonxha Bojaxhiu, besser bekannt als "Mutter Teresa", hat sich auf ihre Art um die Ärmsten der Armen im indischen Kalkutta gekümmert und bekam dafür 1979 den Friedensnobelpreis verliehen. Im Laufe der Zeit, vor allem nach ihrem Tod 1997, mehrten sich zuverlässige, von der Katholischen Kirche allerdings ignorierte Berichte, wonach sie u.a.

• Armut als Ideal pflegte und damit Standesunterschiede in Kalkutta verantwortete, vergrößerte und manifestierte
• nur Glaubensgenoss(inn)en half bzw. verlangte, ihren Glauben anzunehmen oder Sterbenskranke vor deren Tod ohne Einwilligung katholisch zwangsmissionierte
• Missionierung für wichtiger hielt als humanitäre oder medizinische Hilfe („Beten statt helfen“)
• Schmerzen für „Küsse Jesu“ hielt und Medikamente verweigerte; statt dessen empfahl sie Gebete
• nichts von Desinfektion hielt; bei ihr herrschten katastrophale hygienische Zustände, durch die viele Menschen starben
• zeitgemäße medizinische Hilfsmittel ablehnte
• nie Auskunft über den Verbleib der enormen Mengen an Spendengeldern hat geben wollen oder können. Niemand kann bis heute zuverlässig sagen, wohin diese geflossen sind
• Kontakte pflegte zu den Diktatoren “Baby Doc“ Duvalier (Haiti) und Ferdinand Marcos (Philippinen)
• mindestens eines der beiden zur Heiligsprechung erforderlichen, angeblichen Wunder nicht vollbracht hat
• sogar Schwerstkranken und Todgeweihten Schmerzmittel und andere wichtige Arzneien verweigerte, obwohl diese vorhanden waren
• sich selber hingegen kurz vor ihrem Tod in den USA behandeln und ihre eigenen Schmerzen mit palliativen Methoden lindern ließ.

Mutter Teresa ist Geschichte und ihr Handeln nicht mehr änderbar. Immerhin jedoch ist ihr Wirken für die Katholische Kirche des 21. Jahrhunderts von derartiger Bedeutung, dass Mutter Teresa durch Papst Johannes Paul II. bereits 2003 selig und nun 2016 von Papst Franziskus sogar heilig gesprochen wurde – mangels nötigem Wunder unter Zuhilfenahme einer "Gebetserhörung".

Vielleicht ist diese religiöse Ehrung für derartige unethische Machenschaften konsequent, wenn man als Gläubiger das Erreichen eines angeblichen, paradiesischen Himmelreichs für erstrebenswerter hält als sich im realen, manchmal beschwerlichen Diesseits eigenverantwortlich um sein Leben zu kümmern. Für einen Humanisten jedoch ist die Idealisierung eines Menschen mit diesen menschenverachtenden Werten nicht nur schwer verständlich, sondern unerträglich.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Bild: Vatikan
Bildquelle: Ilona Laufersweiler / pixelio.de
www.pixelio.de

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