Mosh sei Dank!

05.10.2016 von Boris Springer

Die Deutschen sind traditionell ein Volk von Fleischessern. Dabei hat es in den letzten einhundert Jahren eine gravierende Änderung gegeben: Die Selbstversorger-Höfe sind nahezu ausgestorben. An ihre Stelle trat eine Fleischindustrie, deren vornehmliche Ziele Wachstum und Gewinn und nicht mehr eine möglichst artgerechte Zucht und Haltung der Schlachttiere sind.

Nun folgen längst nicht mehr alle dieser „Fleischeslust“. Immer mehr Verbraucher greifen zu Fleischersatz-Produkten, die lustigerweise so aussehen sollen wie ihre Vorbilder (wie der abgebildete Tofu-Burger), jedoch kein tierisches Eiweiß enthalten. Gründe für die Abkehr von Fleisch sind laut einer Umfrage bei 66 Prozent der Befragten die Massentierhaltung, bei immerhin noch 17 Prozent die gesundheitlichen Auswirkungen überhöhten Fleischkonsums. Die Produzenten von Fleischersatzprodukten erfreuen sich derzeit eines anhaltend kräftigen Wachstums ihrer Umsätze, was wiederum neue Käuferschichten anlockt.

Als Laie fragt man sich dabei zweierlei: Wie schmecken diese Produkte und was ist in diesen Gebilden enthalten? Die Antwort auf die erste Frage ist subjektiv, die zweite haben sich die „Verbraucherschützer“ vorgenommen. Spätestens seit ihrem skurrilen Katzenfutter-Test von Anfang 2014 fragen sich allerdings viele, was dort wirklich getestet wird.

Bei dem angesprochenen Test von 20 der sogenannten Fleisch-Ersatzprodukte durch die Stiftung Warentest fiel die Mehrzahl durch. Das an sich muss nichts heißen. Die Begründung allerdings sollte aufhorchen lassen: Es wurden Mineralölrückstände (= „Mosh“ für Mineral oil saturated hydrocarbons) gefunden; ein fleischloses „Schnitzel klassisch“ (was für ein Hohn) stach mit einem besonders hohen Wert hervor – es war ausgerechnet das geschmacklich beste.

Nun lässt sich trefflich darüber streiten, ob es sich bei den Mosh um harmlose und ungefährliche Paraffine handelt, wie von den Veggie-Herstellern behauptet wird oder ob das nur eine Verharmlosung ist. Wer – zu Recht – die grausamen Haltungs- und Zuchtmethoden der Fleischindustrie beklagt, sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass die Alternativprodukte (noch) keine wirkliche Lösung darstellen. Denn es gilt nicht nur zu bedenken, dass Veggies Verdickungsmittel (wie z.B. Soja) enthalten (müssen), um die Form zumindest einigermaßen herstellen zu können und dass für den Anbau der Sojabohne – ökologisch mehr als bedenklich – in Brasilien Regenwald abgeholzt wird. Daneben enthalten die Ersatzprodukte weitere Inhaltsstoffe wie Säureregulatoren, Zucker, nicht unerhebliche Mengen an Salz, Farbstoffe, Gewürze und andere Aromen. Und eben Mosh, denen dieser aufstrebende Wirtschaftszweig in nicht unerheblichem Maße seine Erträge verdankt. Das alles sollte sich jeder im wahrsten Wortsinn auf der Zunge zergehen lassen.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Bild: Tofu-Burger
Bildquelle: Renée Ries / pixelio.de
www.pixelio.de

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