Hurra, wir feiern uns selbst gleich noch einmal

19.10.2016 von Boris Springer

Kaum ist die Freude über die Ratifizierung des Pariser Weltklimavertrages verklungen, gibt es schon wieder eine Meldung zur Rettung der Erde, die aufhorchen lässt. In Kigali (Ruanda) wurde ein neues Klimaabkommen vereinbart. Ein halbes Grad an Erderwärmung soll durch die massive Reduzierung des Verbrauchs an FKW (Fluorkohlenwasserstoffe) verhindert werden.

1987 wurde die Verwendung des Ozonkillers FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe), der zum Beispiel in Kühlgeräten und Klimageräten massenhaft verbaut wurde, zugunsten von FKW verboten. Letztere tragen allerdings zur Erderwärmung bei. Es war also dringend geboten, auch den Verbrauch von FKW massiv zu reduzieren. Hierzu möglichst viele Staaten unter einen Hut zu bringen war erwartet schwer. Jedoch einigten sich nun am 14. Oktober mehr als 170 Staaten auf das Kigali-Abkommen.

Danach sollen Industrieländer zwischen 2019 und 2036 den Einsatz von FKW um 85 Prozent verringern, Entwicklungs- und Schwellenländer sollen von 2024 bis 2047 ihren Verbrauch um 80 bis 85 Prozent reduzieren. Das alles kostet viel Geld, wo die Abermilliarden Euro herkommen sollen, wird ab Ende des nächsten Jahres diskutiert.

Zweifellos ist auch dieses Abkommen ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Dabei fällt jedoch auf, dass – im Gegensatz zum Pariser Weltklimavertrag – bislang nur wenige Informationen zur Verbindlichkeit der Beschlüsse bekannt wurden. Gibt es ebenfalls Austrittsmöglichkeiten oder sind die Vereinbarungen bindend? Sind Sanktionen bei Verstößen vereinbart? Was passiert, wenn es am nötigen Geld fehlt? Wird dann – wie bei der Euro-Rettung – wieder gemauschelt und werden wieder europäische Institutionen ungestraft ihre Kompetenzen überschreiten und dabei munter Milliarden Euro nach Gutsherrenart verteilen?

Zu all diesen – und weiteren – bislang unveröffentlichten Details kommt erschwerend die Vertragsdauer hinzu. Besonders Entwicklungs- und Schwellenländer, die ihre Ziele bis in dreißig(!) Jahren erreicht haben sollen, sind politisch instabil. Wer haftet für Verstöße neuer Regierungschefs oder gar Despoten, die zwischenzeitlich an die Macht kommen? Wie gesagt ist der Schritt richtig, allerdings feiern sich die beteiligten Politiker schon heute, also dreißig Jahre zu früh. Denn erst dann wird die Welt erkennen, was wie und wo tatsächlich umgesetzt wurde und für welche Verfehlungen es die schon hinlänglich bekannten, blumigen Erklärungsversuche gibt, wonach ja nicht abzusehen war, dass ...

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Bild: Little Moon & great Earth
Bildquelle: Jens Bredehorn / pixelio.de
www.pixelio.de

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