Rheinische Kapriolen auf der Autobahn

26.10.2016 von Boris Springer

In Nordrhein-Westfalen scheint derzeit einiges möglich, lokal sticht das Rheinland besonders hervor. Denn es ist nicht nur so, dass es dem Bundesland mit den meisten Einwohnern – allen Jubelfeiern zum 70. Geburtstag zum Trotz – finanziell nicht wirklich gut geht. Das Rheinland hebt sich zusätzlich noch mit einigen organisatorischen wie finanziell desaströsen „Meisterleistungen“ hervor. Nachdem es in Köln schon seit Jahren mit dem Neubau der Oper nicht vorangeht, der Hubschrauber-Landeplatz auf dem Kalkberg nicht zustande kommt und die „Silvester-Krawalle“ ein schlimmes Licht auf die Stadt werfen, gibt es den gar nicht mal so neuen Aufreger nun ein paar Kilometer rheinabwärts.

Die Leverkusener Brücke ist marode und muss neu gebaut werden. So weit, so gut. Bis die neue in Dienst geht, müssen die Belastungen der alten Brücke drastisch reduziert werden. Das versteht jeder, der sich die Anzahl der Fahrzeuge vor Augen führt, die den Rhein queren. Reparaturarbeiten im Brückeninneren wurden begleitet von einem Fahrverbot für Lkw, da die durch die schweren Fahrzeuge hervorgerufenen Erschütterungen nicht nur die Arbeiten behinderten, sondern die Brücke auch weiter schädigten.

Was passierte auf Seiten der Lkw-Fahrer? Nichts. Es wurde munter weiter über die Brücke gefahren, teilweise ohne Nummernschilder, die bei einem kurzen Stopp vorher – auf der Autobahn(!) – abmontiert wurden. Strafen für Fahrer oder Spediteure? Keine! Zumindest keine spürbaren. Denn die bei nachgewiesenen(!) Verstößen zu zahlenden € 150 waren tatsächlich günstiger als ein Umweg über andere Brücken.

Nun gibt es seit wenigen Wochen Schranken. Schranken auf der A1! Die Idee dabei ist, dass frühzeitig Schilder die Lkw von der Brücke fernhalten sollen. Jene, die sich nicht daran halten, werden mittels Waagen identifiziert und mit Ampeln und besagten Schranken an der Brückenüberfahrt gehindert und von der Autobahn geleitet. Stand Ende letzter Woche gab es seitdem jedoch täglich im Schnitt 170 Verstöße, die nach Angaben der Polizei im günstigsten Fall zu einer Sperre der Autobahn von jeweils einer Minute führten. Durch diese Lkw-Fahrer, die wissentlich Verbotsschilder ignorieren und dafür nur jeweils eine lächerliche Strafe zahlen müssen, ist die Autobahn (im günstigsten Fall) täglich drei Stunden gesperrt? Irre!

Dass abertausende Pkw täglich im Stau stehen, weil Lkw-Fahrer egoistisch – ob von ihrer Spedition „beauftragt“ oder nicht – gegen das Fahrverbot verstoßen, ist eine Rücksichtslosigkeit ohnegleichen. Es lässt sich trefflich über mangelnde Wertschätzung im Straßenverkehr streiten; bei den Lkw-Verstößen vor der Leverkusener Brücke handelt es sich jeweils um Vorsatz.

Trotz aller Bemühungen, die mit den unsäglichen Autobahn-Schranken ihren bisherigen Höhepunkt gefunden haben, scheint es wieder einmal nur eine Lösung zu geben: die Überführung der Fahrer durch Blitzeranlagen und die gleichzeitige drastische Erhöhung von Strafen bei Verstößen. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek soll derzeit über Bußgelder von etwa € 1.000 nachdenken. Selbst das scheint noch nahezu geschenkt, wenn man Schweizer Verhältnisse anschaut, wo ggf. die Fahrzeuge beschlagnahmt und verkauft werden.

Auch ein anderer Vergleich macht die Lächerlichkeit der aktuellen Strafe von maximal € 150 deutlich. An italienischen Stränden können die Behörden bei Handtuch-Reservierungen von Liegen Strafen von bis zu € 200 verhängen. In Spanien droht Touristen die Beschlagnahmung ihrer Strandausrüstung sowie zusätzlich bis zu € 750 Geldstrafe. Wohlgemerkt für die Blockierung einer Strandliege und nicht für die rücksichtslose Verschwendung von Lebenszeit vieler anderer Autofahrer – täglich!

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Bild: Stau
Bildquelle: Th. Reinhardt / pixelio.de
www.pixelio.de

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