Lupe oder Holzhammer?

23.12.2018 von Boris Springer

Ehre, wem Ehre gebührt!
Da wird eine Ärztin und Ex-Homöopathin grafisch 7.000 Ärzten gegenübergestellt, die sich – aus welchen Gründen auch immer – der Homöopathie zugewandt haben. Dabei bleibt zum einen geflissentlich unerwähnt, dass diese Ärzte nur knapp zwei Prozent von insgesamt ca. 380.000 ausmachen, zum anderen werden (Achtung lustig!) ihre Initialen (N.G.) in einer Lupe gezeigt, um ihre vermeintlich kaum wahrnehmbare Bedeutung zu illustrieren.

Würde mich Frau Dr. Natalie Grams, um die es hier geht, um meine Meinung fragen, so riete ich ihr, sich dieses Diagramm aufzuheben. Schon in einigen Jahren wird die wahre Bedeutung ihrer Aufklärungsarbeit sichtbar sein und sich Faktenwissen gegenüber Glauben durchsetzen. Es wird dann genügen, diese Grafik hochzuhalten als Beleg für u.a. Scheuklappenmentalität und fehlende Objektivität der Homöopathie-Anhänger sowie deren falsche Einschätzung von angeblicher Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus. Vor allem wird das Bild dann jenen Ärzten als Spiegel vorgehalten werden, die mit Einsatz dieser Scheinmedizin potenzielle Gesundheitsgefährdung bei ihren Patienten betrieben haben.

Die angesprochene Grafik zeigt zweierlei:
Erstens sterben die Dummen und Unbelehrbaren nicht aus, es lassen sich immer wieder Menschen finden, die irgendeiner Schwurbelei folgen. Wobei feststellbar ist, dass der Glaube an Irrationales derzeit wieder Konjunktur hat. Vielleicht folgen all jene, die die christlichen Kirchen im Laufe der Jahre verloren haben, nun der Homöopathie, der Astrologie, den Flacherdlern oder den Einhorn-Gläubigen.
Zweitens wiederholt sich Geschichte. Die o.a. Darstellung hätte es auch zu Anfang des Jahres 1600 geben können – mit drei gravierenden Unterschieden: Die grafische Säule der Anhänger eines geozentrischen Weltbildes wäre um ein Vielfaches höher gewesen, als Initialen hätten „G.“ und „B.“ gestanden und statt Lupe wäre ein (leider erst einige Jahrzehnte später erfundenes) Mikroskop abgebildet gewesen. Und dennoch hatte Giordano Bruno recht!

Braucht es nun wirklich eine Lupe, um Frau Dr. Grams in der angesprochenen Grafik sichtbar zu machen oder nicht vielleicht eher einen Holzhammer, um das Denkzentrum der Homöopathie-Anhänger zu aktivieren, sie zum Nachdenken zu bewegen und sie erkennen zu lassen, was ihnen in der Vergangenheit nicht vergönnt war? In jedem Fall sollten sich politische Entscheider nicht weiter von Vertretern der Homöopathie-Lobby einlullen lassen, die durch die sinnvollen Aktivitäten einer Natalie Grams ihre Felle davonschwimmen sehen und (zu recht!) befürchten müssen, dass die gigantischen Gewinnspannen zwischen Einkauf von wirkungslosem Zucker und Verkauf von nach wie vor wirkungslosem Zucker bald der Vergangenheit angehören.

So, wie sich die Erkenntnisse eines Giordano Bruno irgendwann nicht mehr leugnen ließen, so werden auch die von Natalie Grams alsbald als wahr und richtig anerkannt werden (müssen). Das haben die beiden Genannten gemein. Was sie unterscheidet, ist ihr Ende – auch wenn einige radikale Homoöpathie-Apologeten am liebsten bei beiden das gleiche sähen.

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