Naivität im Netz

12.05.2010 von Boris Springer

Es soll Menschen geben, die die sozialen Internet-Netzwerke (neudeutsch: Social Communities) für einen Fluch halten. Andere sehen in ihnen einen Segen. Diese können auf ganz kurzem Wege zu Menschen Kontakt halten, können mit ihnen Bilder teilen und sich ständig gegenseitig auf dem Laufenden halten.

Nachteilig könnte dabei sein, dass uns auch andere Menschen finden, die wir nicht kennen und die unsere “Freunde” sein wollen. Und dass – je nach gewählter Einstellung – andere Menschen unsere eingegebenen Daten einsehen können.

Eine ganz neue – gerade von jüngeren Menschen missachtete – Qualität haben die sozialen Netzwerke bei der Personalauswahl gewonnen. Immer mehr Entscheider ziehen Informationen aus dem Internet, indem sie bspw. nach den Namen von Bewerbern suchen. Und meist fündig werden. Wenn der Lehramts-Student auf zahlreichen Feier-Fotos mit sichtlich angetrunkenen Freunden zu sehen ist und debil grinsend eine Flasche einer bekannten Spirituose in die Kamera hält, mag sich der Personaler fragen, ob der Bewerber tatsächlich als Grundschul-Lehrer geeignet ist oder ob andere Kandidaten nicht doch besser scheinen.

Einige glauben, dass zweifelhafte Fotos nur von denen einsehbar sind, mit denen sie vernetzt sind, wozu sie im Vorfeld ausdrücklich ihre Zustimmung geben mussten. Das mag richtig erscheinen, jedoch hat das System Löcher. Die Daten sind nicht immer 100%ig sicher, wie die Vergangenheit mehrfach zeigte. Nicht ohne Grund wurde einer krank geschriebenen Kanadierin das Krankengeld gestrichen, nachdem die Versicherung von ihr massenhaft aktuelle Gute-Laune-Fotos im Netz fand.

Des weiteren gibt es unechte Profile, in denen Foto, Name und andere Personendaten frei erfunden sind. Sinn und Zweck ist die anonyme Recherche. So gibt es den konkreten Fall eines Unternehmers, der mit fast allen seiner ca. 70 Mitarbeiter in verschiedenen Netzwerken unter einem Pseudonym verlinkt ist und – mehr oder weniger fröhlich – ihre Berichte liest, die nicht selten Unwahrheiten, Lästereien und Beschimpfungen über ihn, Kollegen und das Unternehmen enthalten.

Zu alledem kommt, dass im Internet kursierende Daten derzeit nicht löschbar sind. Das mag sich irgendwann ändern, bis es soweit ist, sollten wir Vorsicht walten lassen mit allem, was wir ins Netz stellen.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

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Foto: www.pixelio.de; Fotograf: Peter Kirchhoff

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