Wer zahlt die Miete?

31.08.2011 von Boris Springer

Die in guter Absicht eingerichteten gesetzlichen Versicherungen leiden. Wie überall in öffentlicher Hand wird ein vorhandenes Guthaben nicht langfristig genutzt, sondern für aktuelle Vorhaben der jeweiligen Entscheider “verbrannt”. Bestes Beispiel sind die irrwitzigen Rentenerhöhungen in den Siebzigerjahren (1972 bis 1976 jährlich zwischen 11,0% und 15,8%). Das fehlende Geld wird dann anderen Töpfen entnommen, derzeit u.a. der Ökosteuer.

Auch der Krankenversicherung geht es finanziell schlecht. Die Kosten sind schon immens und werden weiter steigen. Neben der Alterung der Gesellschaft ist die leider verbreitete, offensichtlich menschliche Haltung, zuerst an sich selber zu denken, Grund dafür. Wie Rudolf Beljean so treffend feststellt: “Was lieben die Menschen an Zürich am meisten? Die letzten drei Buchstaben!” Das gilt für Patienten, Pharmaindustrie, Apotheken und Ärzte gleichermaßen. Die Verantwortung der Patienten war letzte Woche an dieser Stelle Thema, die Pharmaindustrie ist ein weiterer Kostenfaktor bzw. -treiber. Unstrittig sind Notwendigkeit und damit verbundene Kosten für neue Medikamente; jedoch sind viele Vorgänge sicherlich optimierbar. Denn immer wieder kommt es zu Fällen, in denen die Entwicklung eines Spezialpräparates bis zu einer Milliarde Euro kostet und dieses dann – trotz Vorab-Tests – im praktischen Einsatz unwirksam ist.

Auch bei den Ärzten gibt es Fälle von Preistreiberei. Während einige Mediziner um das Überleben ihrer Praxis kämpfen, wurde das Internetportal “Vorsicht! Operation” eingerichtet, um unnötige Operationen zu verhindern. Denn nach Meinung des Chirurgen Prof. Dr. Hans Pässler, dem Gründer des Projektes, finden viele unnötige Eingriffe nur des Geldes wegen statt. Der Hintergrund: Niedergelassene Operateure mieten OP-Säle an und operieren seines Erachtens deshalb viel, damit sie die Mieten bezahlen können. Die Krankenversicherung also als Melkkuh für die OP-Miete! Wenn das zuträfe, wäre das eine Perversion nicht nur des Versicherungsgedankens, sondern vor allem des Hippokratischen Eides sowie der Wertschätzung der menschlichen Gesundheit.

Die Erfahrung zeigt leider: Je größer der finanzielle Topf ist, desto stärker ist der Drang, sich daraus zu bedienen. Gleichwohl besteht eine grundsätzliche Verantwortung jedes Beteiligten, Kosten so gering wie möglich zu halten.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Lesen Sie nächste Woche: Fortschritt oder Lobbyismus?

Foto: www.pixelio.de; Fotograf: Martin Büdenbender

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Raucherentwöhnung mit Homöopathie

12.01.2021 von Boris Springer

Ein Jahresanfang ist traditionell mit guten Vorsätzen verbunden. Auch wenn jeder andere Tag des Jahres genau so gut geeignet ist, Sinnvolles zu tun, ist der Jahreswechsel besonders beliebt. Mehr Sport treiben, gesünder leben, abnehmen und mit dem Rauchen aufhören sind die bevorzugten ...

Weiterlesen …

Neujahr – Na und?

01.01.2021 von Boris Springer

Nun ist es da, das Jahr 2021, das alle so sehr herbeigesehnt haben. Die Sonne ist aufgegangen, trübe blinzelt sie zwischen Wolken hervor. Die eine dankt der Schöpfung für diesen Tag voller Liebe, der andere überlegt, wie er mit seinem restalkoholisierten Körper es wohl schaffen wird, die spärlichen Reste des erfreulich kleinen Feuerwerks ...

Weiterlesen …

Kater, Stallone oder letzter Tag des Jahres? – Ich kaufe ein i

31.12.2020 von Boris Springer

Ja, es schon eine Krux mit der Rechtschreibung. Die einen hassen sie, einige lieben sie, anderen ist sie schnurzpiepegal. Während sich manche Schüler über Diktate freu(t)en, sind und waren diese vielen anderen verhasst.

Immerhin lässt sich feststellen, dass wir in einer Gesellschaft leben, ...

Weiterlesen …