Ist ein Leben ohne Facebook möglich?

23.01.2013 von Boris Springer

Es gibt den Kalauer, dass ein Leben ohne Handy unmöglich sei, denn alle Generationen, die keines besaßen, seien bereits ausgestorben. Ähnlich skurril mutet das Verhalten vieler – vor allem junger – Menschen an, wenn es eben um ihre Ausstattung mit elektronischen Medien geht und auch um ihre Präsenz in sozialen Netzwerken. Dabeisein ist alles, manche sind nur “drin”, andere schreiben Beiträge am laufenden Band.

Die Faszination der Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken, wie dem Branchenführer Facebook, ist nicht nur die ständige Aktualisierung von Informationen, sondern auch das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft, selbst wenn sie nur virtuell ist. Jedes Mitglied kann seine ihm wichtigen Neuigkeiten veröffentlichen (neudeutsch “posten”) und kann sehen, was wiederum die eigenen Kontakte Neues zu berichten haben. Die Bedeutung und Wichtigkeit dieser Informationen liegt alleine im Ermessen des Schreibenden, so dass viele mit für sie Unwesentlichem zugemüllt werden.

Die Frage ist dabei: Brauchen wir das wirklich? Und wenn ja, wie oft? Im Jahr 2013 spricht alles dafür, im Netz sichtbar und erreichbar zu sein. Ob aber jede(r) von uns permanent über die aktuellen Aktivitäten aller Kontakte informiert sein muss, darf bezweifelt werden. Dabei entscheidet jede/r Einzelne, ob sie/er die eigene, persönliche Lebenszeit ver(sch)wenden will. Eines ist jedoch sicher: Bei permanenter Beobachtung der sozialen Netzwerke leidet jegliche Art konzentrierten Arbeitens.

Es stellt sich jedoch nicht nur die erwähnte Frage, ob wir zeitgleich über irgendwelche Aktivitäten informiert werden wollen. Die Kernfrage ist vielmehr, ob wir überhaupt wissen wollen und “müssen”, was andere veröffentlichen. Immerhin gibt es die Möglichkeit, sich von Kontakten zu trennen oder ihre Beiträge zumindest auszublenden. Davon machen allerdings nur wenige Nutzer Gebrauch, denn es ist angesagt, möglichst viele Kontakte zu haben. Dass sie fataler Weise bei Facebook als “Freunde” bezeichnet werden, erschwert die Löschung, denn wer trennt sich schon gerne von Freunden?

Fazit: Für viele Menschen ist es sinnvoll, in sozialen Netzwerken wie Facebook (aktiv) zu sein. Gleichwohl ist ein Leben ohne Facebook möglich und kann auch sinnvoll sein, um Loriots Wortspiel bzgl. Möpsen aufzugreifen. Wichtig ist der maßvolle und sinnvolle Einsatz aller elektronischen Medien und vor allem, nur jene Informationen zu veröffentlichen, die auch jedem Fremden mitgeteilt würden.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Lesen Sie nächste Woche: Lügen strengt an

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

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