Wohlfühlen auf Kosten anderer?

06.02.2013 von Boris Springer

Wir leben unbestritten in einer Konsumgesellschaft. Der Handel floriert, die Umsätze stimmen, selbst wenn – wie zu jeder Zeit – die eine oder andere Branche schwächelt. Der Wirtschaft geht es unter anderem deswegen so gut, weil Unternehmen und vor allem auch Privathaushalte weiterhin Geld ausgeben (können) und damit die Wirtschaft ankurbeln.

Zwischen den beiden Gruppen besteht jedoch ein gewaltiger Unterschied. Während Unternehmen in der Regel das eigene Fortbestehen sichern und sich langfristig am Markt etablieren wollen, geht es in Privathaushalten – neben der Sicherung von Grundbedürfnissen – heutzutage vermehrt darum, im Hier und Jetzt gut leben zu wollen.

Daraus ergibt sich auch der völlig unterschiedliche Ansatz zum Schulden machen. Während Unternehmen Investitionen tätigen wollen oder gar müssen, geht es Privatpersonen bei der Aufnahme von Krediten meist “nur” darum, sich etwas leisten zu können, was sie sich gar nicht leisten können. Die derzeitig niedrigen Zinssätze sind eine nicht zu unterschätzende Verlockung, die von Händlern und Banken gnadenlos ausgenutzt wird. Die beiden altbewährten Regeln, einen Notgroschen anzusparen und außerdem Geld erst auszugeben, wenn es auf dem eigenen Konto liegt, gelten längst nicht mehr.

Dabei gibt es gar keinen Grund, sich – außer beim Immobilienerwerb – zu verschulden. Wie mag sich jemand fühlen, der eine Verbindlichkeit über 24 oder 36 Monate eingeht, ohne zu wissen, wie es ihr/ihm dann finanziell geht? Was muss das zudem für ein Gefühl sein, wenn bspw. das Mobiltelefon oder der Fernseher bei Tilgung der letzten von 36 Raten technisch bereits völlig veraltet ist?

Und dann das: Eine Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen ergab, dass sich die Zahlungsmoral noch weiter verschlechtert habe. Danach bestehen für Handwerksbetriebe, Vermieter, Energieversorger und der Versandhandel die größten Probleme mit offenen Forderungen. Daraus lässt sich unschwer folgern, dass Menschen nicht nur Käufe tätigen oder Leistungen jeglicher Art in Anspruch nehmen, ohne den vollen Rechnungsbetrag bezahlen zu können, sondern auch, dass sie nicht einmal ihren Verpflichtungen zur Ratenzahlung nachkommen. Sie leisten sich also Produkte auf Kosten anderer, indem sie diese Waren/Leistungen nutzen und andere auf das dafür fällige Geld warten lassen. Weniger (Umsatz) wäre da (moralisch und ethisch) mehr.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Lesen Sie nächste Woche: BCC oder CC?

Bildquelle: Michael Staudinger / pixelio.de

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