Gleiches Recht für alle

21.08.2013 von Boris Springer

Unsere Gesellschaft wird von verschiedenen Säulen getragen. Dabei sichert u.a. die gesamte Wirtschaftsleistung das materielle Auskommen aller und das ausgeprägte Sozialsystem sorgt nicht nur für die Unterstützung Bedürftiger durch jene, die mehr haben als andere.

Wie überall beim Zusammenleben mehrerer Individuen gelten auch bei uns Absprachen und Vereinbarungen, die verpflichtend sind (Gesetze) oder schlicht auf Erfahrungen beruhen und sich in mehr oder minder freiwilligem, allgemein anerkanntem Verhalten zeigen (Normen und Werte). Während die gesetzlichen Belange eher von langsamem Wandel gekennzeichnet sind, ändert sich die Akzeptanz von Verhaltensweisen mitunter zügig. Welcher junge Mensch kennt nicht die unzähligen Diskussionen mit Älteren, die diese zwei Jahrzehnte vorher bereits – zu anderen Themen – mit den eigenen Eltern geführt haben.

Dass Gesetze nicht immer für alle gleich gelten, wird schon lange vermutet. Manchmal sind Ungerechtigkeiten allzu offensichtlich – wobei den Außenstehenden viele Details, die zu Entscheidungen geführt haben, nicht immer bekannt sind.

Spannend ist die Tatsache, dass sich fast alle Bestraften im Recht fühlen bzw. die Strafe zu hoch finden. Besonders amüsant war der unlängst beschriebene Fall einer 82-jährigen Rentnerin, die (mit Rollator!) bei roter Ampel eine Straßenkreuzung überquerte. Ein Polizist in Zivil verteilte sofort ein Fünf-Euro-Knöllchen, das sie nicht bezahlte, weil sie den Beamten nicht für echt hielt. Die ihr daraufhin schriftlich nach Hause zugestellte 30 Euro-Strafe wollte sie nicht bezahlen, weil sie sich diese bei ihrer kleinen Rente „nicht leisten könne“ (so die Formulierung im Bericht).

Nun, diese Geschichte ging gut aus. Es bleibt die wenig überraschende Feststellung, dass auch diese alte Dame kein Verständnis für die Strafe hatte und es mit dieser Geschichte (neben dieser Kolumne) zu einem veritablen Zeitungsbericht schaffte.

Unser Rechtssystem verlangt neben den Tagessätzen, deren Höhe von den sozialen Verhältnissen des „Täters“ abhängen, einheitliche Geldbußen und Ordnungsstrafen. Eine Diskussion über diese Bestrafung an sich erübrigt sich, wenn frühzeitig über diese „kleinen Vergehen“ nachgedacht wird. Denn das Überqueren einer Ampel nur bei grün wie auch bspw. das Setzen des Blinkers vor dem Abbiegen hat mit Wertschätzung der anderen Verkehrsteilnehmer, einer Vorbildfunktion gegenüber Kindern und nicht zuletzt auch mit der Sicherheit im Straßenverkehr zu tun. An sicher aufgekommene Diskussionen nach einem Verkehrsunfall mit der 82-jährigen Dame mag ich nicht denken, erst recht nicht an die möglichen gesundheitlichen Folgen.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

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Bild: Justizia
Bildquelle: Florentine / pixelio.de
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