Sparen durch Freundlichkeit

26.03.2014 von Boris Springer

Wir alle sind Kunden. Privat in jedem Fall, viele von uns auch im Berufsleben – entweder direkt oder zumindest mittelbar. Daher haben wir es auch immer wieder mit Verkäufern zu tun, an die die verschiedensten Erwartungen geknüpft sind. Denn in vielen Köpfen geistert immer noch die Vorstellung vom „König Kunde“, der angeblich jeden Service erwarten kann.

Dabei wird gerne vergessen, dass Kunden nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben. Weswegen mir der Begriff „Geschäftspartner“ lieber ist als der von „Verkäufer und Kunde“. Wie wichtig diese Unterscheidung ist, zeigt sich bei vielen Menschen, die in ihrem Berufsleben selber verkaufen und dort anders agieren als sie das als Kunde tun. Obwohl sie den Verkauf kennen, besteht bei Ihnen eine merkwürdige Diskrepanz zwischen Ihrer eigenen Erwartung und als Kunde und dem eigenem Handeln als Verkäufer.

Sich aktiv in die jeweils andere Seite einer Geschäftspartnerschaft hineinzudenken, hilft, den Gegenüber zu verstehen. Das wird in jedem Verkaufstraining gelehrt, gleichwohl hilft es ungemein, sich auch als Kunde in die Person und Situation des Verkäufers hineinzuversetzen. Denn auch wenn der Verkauf ein negatives Image besitzt, ist er notwendig, sinnvoll und Basis unseres Wirtschaftssystems.

Daher versteht es sich von selbst, dass jeder Verkäufer wertschätzend behandelt werden möchte. Schließlich ist der seriöse Händler ebenso wenig ein Bettler wie ein Kunde ein König ist, auch wenn die Verfechter der Geiz-ist-geil-Mentalität das gerne suggerieren.

Dass auf Kunden-Seite einiges im Argen ist, beweisen Unternehmen, die die Freundlichkeit ihrer Kunden tatsächlich mit Preisnachlässen honorieren. Als Beispiel sei ein Café im französischen Nizza genannt. Dort ist ein Kaffee je nach Art der Bestellung unterschiedlich teuer. Wird „ein Kaffee“ bestellt, so kostet er stolze: 7,00 Euro. Schon das Zauberwort mit den zwei „t“ spart Geld, denn „einen Kaffee bitte“ kostet nur 4,25 Euro. Verbunden mit einer Grußformel wie zum Beispiel „Guten Tag, einen Kaffee bitte“ reduziert sich der Preis auf 1,40 Euro, das sind lediglich zwanzig Prozent des erstgenannten Preises.

Diese Preisgestaltung wirft zwei Fragen auf: 1.: Wie belastend muss das Kundenverhalten gewesen sein, dass sich die Inhaber zu einem solchen Schritt entschlossen haben? 2.: Hat auch der Kunde eine solch einfache Möglichkeit zur Änderung des Preises je nach Verhalten der Bedienung oder Qualität des Kaffees?

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Lesen Sie nächste Woche: Bezahlter Kirchenbesuch

Bild: noch mehr Amaretti . . .

Bildquelle: gänseblümchen / pixelio.de
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