Kater, Stallone oder letzter Tag des Jahres? – Ich kaufe ein i

31.12.2020 von Boris Springer

Ja, es schon eine Krux mit der Rechtschreibung. Die einen hassen sie, einige lieben sie, anderen ist sie schnurzpiepegal. Während sich manche Schüler über Diktate freu(t)en, sind und waren diese vielen anderen verhasst.

Immerhin lässt sich feststellen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die Regeln aufgestellt hat und in der die Einhaltung dieser Regeln das Miteinander vereinfacht. Das betrifft das genaue Rechnen (oder wollen Sie irgendwo zu viel zahlen?) genauso wie die korrekte Rechtschreibung, die nicht nur die Kommunikation erleichtert oder manchmal sogar erst eindeutig macht, sondern auch eine Form der Wertschätzung für den Gegenüber ist.

Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob die (absolut) fehlerfreie Kommasetzung nun zwingend erforderlich ist oder ob vor der Grußformel eine oder zwei Leerzeilen richtig sind. Etwas anderes ist es bei Sinnentstellungen oder bei objektiven Fehlern. Wenn Sie von Ihrem Gatten als rechtmäßigem Ehemann schreiben, ist es etwas anderes, als wenn Sie ihn als recht mäßigen Ehemann titulieren. Sie sehen, es kann auf ein Leerzeichen ankommen.

Interessant war auch das häufige Vorkommen des Wortes „Millenium“ im deutschen Sprachraum zur Jahrtausendwende, die übrigens – korrekte Zeitrechnung für die letzten 2.000 Jahre unterstellt – vom 31.12.2000 auf den 01.01.2001 stattgefunden hat. Trotz aller Feierlichkeiten zum 31.12.1999 bzw. 01.01.2000 endet ein Jahrzehnt am 31.12. des zehnten Jahres wie auch ein Jahrtausend am 31.12. des tausendsten Jahres endet. Also Ende des Jahres 1000 und auch Ende des Jahres 2000. Das nur nebenbei.

Zurück zum Wort Millennium – richtigerweise mit Doppel-n. Die Wortstämme sind Mille für Tausend und Annus für Jahr. Der zweite Teil des Wortes „Millenium“ (mit einem n) hat also einen anderen Stamm, der sich Ihnen sicherlich sofort beim Lesen erschließt und hier nicht weiter ausgeführt werden soll.

Bis zum nächsten Jahrtausendwechsel haben wir alle noch ein paar Tage Zeit. Anders sieht das beim profanen Jahreswechsel aus. Der steht am heutigen Abend schon wieder an. Das neue Jahr beginnt, wenn aus Silvester Neujahr wird. Ja, aus Silvester, benannt nach Papst Silvester. Mit der Gregorianischen Kalenderreform im Jahr 1582 wurde der letzte Tag des Jahres vom 24. auf den 31. Dezember verlegt. Das ist der Todestag von Papst Silvester I., dem der letzte Tag des Jahres also seinen Namen verdankt.

Historischen Aufzeichnungen aus diesem Zeitraum Ende des 16. Jahrhunderts ist nach Kenntnis des Verfassers nicht zu entnehmen, dass Kater Sylvester dereinst Tweety jagen würde oder dass Sylvester Stallone sich als Rocky Balboa durch die Gegend boxt. Abgesehen davon, dass beide keine Assoziation zum Jahresende wecken.

Warum also wird der letzte Tag des Jahres dann auch dieses Mal von so erstaunlich vielen Zeitgenossen mit y geschrieben? Vielleicht sollten diese – um einen kurzen Abstecher in die jüngere Fernsehgeschichte zu machen – bei irgendeinem Glücksrad einfach mal ein i kaufen.

Herzlichst
Ihr
Boris Springer

PS: Unten haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Bild: Auf ein neues Jahr
Bildquelle: Wandersmann / pixelio.de
www.pixelio.de

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